Gender

Schon wieder „Diversity“? Zur Frage, ob die „Sichtbarkeit“ von Frauen einer Förderung bedarf…

Und immer wieder „Diversity“

Im Moment begegnet mir das Thema „Diversity“ an allen Ecken und Enden. Stets geht es um die Sichtbarkeit von Frauen. Deren Präsenz in Tech-Berufen oder deren Sichtbarkeit auf Bühnen.

Brauchen wir „Sichtbarmachung“?

Nach jedem meiner Vorträge zu „Kommunikation männlich? Weiblich?“ kam stets die Frage aus dem Publikum auf, ob es tatsächlich einer künstlichen Förderung von Frauen bedarf. Muss diese Frauenquote sein? Braucht das Kind einen anderen Namen, um Männer nicht unter diesen wohlgemeinten Segeln zu diskriminieren? „Heterogenitätsförderung“ oder sowas? Muss man sich als Veranstalter tatsächlich gnadenlos darum bemühen, Frauen auf die Bühne zu holen? Und müssen denn Girlsdays sein und all die anderen Versuche, Frauen für die Tech-Welt zu faszinieren, wenn sie sich vielleicht einfach nicht faszinieren lassen, weil es ihnen schlichtweg nicht in den Genen liegt? (Das ist eine provokante, aber durchaus schon vorgekommene Frage). Muss also eine bewusste und pro-aktive Förderung von Frauen wirklich sein? Ein neues Wort? „Sichtbarmachung“.

Mir fällt immer auf, dass ich um die Antwort rumschleiche. Denn eigentlich mag ich keine künstlichen Welten, keine Förderung nur um meines Geschlechts willens. Manchmal nervt mich die Frauenfrage. Ich will Ruhe um die Frage, warum ich wo gesehen werde.

Nun folgt das „ABER“.

Zwei Konferenzen und deren Frauenanteil

Zwei Dinge haben sich kürzlich zugetragen, anhand derer ich dann doch gemerkt habe, dass ich mir eine Meinung gebildet habe.

Das erste:
Aufgrund meines Eintrags als potentieller Speaker bei Speakerinnen.org (einem Portal für Leute, die speziell weibliche Speaker suchen) wurde ich gefragt, ob ich einen Vortrag auf einer Typo3-Developer-Konferenz (T3DD18) einreichen möchte und mein Vortrag wurde angenommen. Noch kenne ich die Agenda nicht, aber ich merkte, dass es mich freut, dass man sich um weibliche Bühnenpräsenz bemüht. Und das sehr aktiv.

Das zweite:
Und auch diese Meinung hat sich erst wabernd gebildet, als ich sonnenliegend eben die Sprecherliste der diesjährigen Meet Magento Deutschland auf dem Handy durchgescrollt hatte: nur zwei Sprecher von zweiundvierzig auf der diesjährigen MMDE sind weiblich. Also 2:42. 1:21. Irgendwas um die 4%. Ich weiß nicht, ob es schonmal eine schlechtere Quote gab – aber das finde ich tatsächlich irgendwas zwischen sehr schade und erschreckend. Ich überlegte, ob das unbedacht, absichtsvoll oder in Kauf nehmend geschah. Blieb aber am „bemerkenswert“ hängen.

Nachdem bei Magento selbst – vor allem und auch auf der Magento Imagine – das Thema sehr wichtig genommen wird, wundert es mich in erster Linie, dass dies die erste Konferenz seit langem ist, bei der die Agenda recht frauenlos ist.

Warum also bemüht sich einer um ein Mischung – um „Diversity“ und die anderen nicht?

Wo also liegt der Unterschied? Das eine ist eine Entwicklerkonferenz, die andere ist eher business-orientiert. Sicherlich gilt es überall erstmal Partnern und Sponsoren Vorträge zuzuschaufeln. Dafür engagnieren sich diese Sponsoren und Partner sich ja auch finanziell bei solchen Konferenzen. Ich glaube auch den Veranstaltern durchaus, wenn sie sagen, dass ein Thema nicht passte. Ich kann mir nur absolut nicht vorstellen, dass es nicht doch ein paar passendere Themen von Frauen gab, die diese Konferenz vielleicht etwas bunter gemacht hätten. Englisch-Deutsch wird ja ganz gut gemischt und B2B und Tech auch. Ich persönlich mag vortragende Frauen, weil sie es doch etwas anders angehen, als viele Männer. Ein schönes Beispeil dafür war Rebecca Broctons Vortrag auf der Magento Imagine.

Der Studiengang Informatik und die Studentinnen

Dann gab es noch etwas, das mir in dieser Woche zu diesem Thema begegnet ist. Im durchaus nicht polemischen Wortsender WDR5 gab es einen Bericht dazu, dass in den 80ern durchaus eine ansehnliche Anzahl an Frauen in Informatikstudiengängen unterwegs war, bis eine Apple-Werbung den Mann als Computer-Nutzer deklarierte und die Einschreibungen von Frauen für diese Studiengänge drastisch zurück gingen.

Im Ernst?

Das musste ich sofort nachsurfen.

Und es stimmt.

Informatik als Studiengang etablierte sich Anfang der 70er und die Einschreibungen von Frauen nahmen tatsächlich stetig zu. Bis zu 25% der Studenten waren weiblich. Das ist ja aus heutiger Sicht eine Traumquote. Dann gab es zwei Brüche und es waren nur noch 7%. Seit Ende der 90er gibt es einen Aufwärtstrend auf immerhin 14%.

Wenn man diese Zahlen widerspiegeln würde in Teams oder auf Bühnen, so wäre eine Quote von 14% doch immerhin möglich – sollte man meinen….

Auch den USA spiegeln sich diese Zahlen – und auch dort hat es irgendwas mit der Einführung des „Personal Computers“ zu tun. 1983/84 waren unglaubliche 37% aller Absolventen von Computerwissenschaften weiblich. Die Einführung des als „Spielzeug für Männer“ vermarktete PC fällt so auffällig zeitlich in den Schwund dieser Zahlen, dass ich dazu neige, den Zusammenhang zu glauben.

Aber auch so eine Werbung kann nur Fuß fassen, wenn genug Füße da sind, die die hingestellten Schühchen anziehen.

Persönliches Fazit

Und daher nehme ich mal meine Fragen wieder auf. Muss so eine Förderung tatsächlich sein? Scheinbar ja, denn wenn (wahrscheinlich unter anderem) Werbung dafür verantwortlich ist, dass ein Image sich in die Köpfe der Menschen gegraben hat, muss es doch möglich sein, diese Gedankenwelt wieder aufzulösen und die Computerwelt wieder in die Wahrnehmung der Geschlechtsneutralität zu rücken.

Weit über 90% aller Magento-Entwickler sind männlich. Ich würde grob sogar irgendwas um die 98% schätzen. Aber möglicherweise habe ich die meisten Frauen noch gar nicht gesehen – weil sie unsichtbar sind.

Und wenn dafür künstliche Quoten nötig sind – ja, so habe ich mich entschieden, diese zu begrüßen. Auch wenn ich ein „Profiteur“ davon bin und mir das in irgendeiner Wesensecke unangenehm ist, merke ich, dass ich mir tatsächlich viel mehr Frauen um mich herum wünsche und diese sehr gerne sichtbar haben will und mich freue, wenn ich vielleicht ein Teil dessen bin, der diese Sichtbarkeit möglich macht.

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