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Tellerränder, Unerhörtes, Vielkochlogik oder: warum Barcamps so wichtig sind – am Beispiel des eCommerceCamps Jena #eccj18

Ein Barcamp hat vielleicht wenig mit einer Bar zu tun. Vielleicht auch wenig mit einem Camp. Aber woher bitte kommt dann dieses Wort?

Bar?

Bar, im Sinne von quasi analogem Geld? Oder einem Lokal? Oder „bar“ im Sinne von „unbekleidet“? Oder im Sinne „Theke“ oder „Schanktisch“? Vielleicht auch diese Luftdruckeinheit? Oder ein Meistergesang? Es gibt auch „bar, in der Programmierung eine metasyntaktische Variable“. Hier gibt’s noch allerlei Möglichkeiten, ich habe mich für diese Variante entschieden:

-bar, Endsilbe, die auf eine Möglichkeit hinweist

Auch wenn es hier eine Anfangssilbe ist. Aber man muss ja jetzt nicht engstirnbar werden.

Ein Barcamp ist also ein Ort, an dem man „Camp“ tun kann.

Camp?

Für „Camp“ gibt es auch allerlei Bedeutungen.

Cyclisches Adenosinmonophosphat (ein Second-Messenger-Molekül, wem das weiter hilft). Dann gibt es allerlei Namen – und natürlich das „Feld- oder Nachtlager“. Barcamps finden allerdings in der Regel – oder zu großen Teilen – doch tagsüber statt. Also doch die „mehrtägige Veranstaltung mit vielen Teilnehmern außerhalb ihres Heimatortes“.

Bestandteile…

Mehrtätig ist auch gut und wichtig. Dazwischen Party. Und viel Kaffee und ausreichend Essen und W-Lan. In anderer Reihenfolge, je nach Teilnehmer. Viele brauchen in erster Linie W-Lan, manche aber-hallo-ganz-wichtig: Kaffee (ich), manche essen, manche Party.

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Barcamp vs. Konferenz?

Steht eigentlich ein Barcamp im Kontrast zu normalen Konferenzen?

Nach meiner bescheidenen Meinung: absolut. Denn der Sinn und unbedingte Anspruch an ein Barcamp ist Offenheit. Offenheit gegenüber Teilnehmern, die nichts an Wissen mitbringen müssen, die nicht aus einer bestimmten „Business“-Ecke kommen müssen, die sich nicht „Experte“ nennen müssen und überhaupt kommt man auf diesen Barcamps ohne allzu viel Buzzwords aus.

Der wesentliche Unterschied zu Konferenzen: die Sessionplanung. Wie bei einem Speiseplan gibt es Zutaten, Geschmäcker und Köche.

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Wie organisieren Konferenzen ihren Sessionplan? Da hocken ein paar Leute zusammen und überlegen, was andere Leute hören wollen. Der Geschmack ist also erstmal eine reine Annahme, im besten Fall gepaart mit Erfahrung – und manche fragen die Themen auch ab. Da es aber nicht nur um die Leute geht, die da sind, sondern auch um die, die sie gerne da hätten, kriegen die Gerne-Da-Hätten-Hörer auch einige Sessions zugeplant. Und dann sind da noch die Sponsoren. Money is Session. Die kriegen also entweder auch ein Bühnchen oder zumindest ein Süppchen, an dem sie mitkochen können. Und schon hat man einen Sessionplan, der voll ist mit Themen, die sehr abhängig sind von der Kochkunst der Gastgeber und der vielen Köche, die mit kochen dürfen.

Ganz anders da das Barcamp.

Da kocht man die Suppe quasi genossenschaftlich. Alle schmeißen ihr Stimmchen in den Pott und der mit den meisten Stimmen darf eine Session halten. Und wie bei Genossenschaften: mit Erwerb des Tickets erhält man eine Stimme. Wenn also einer eine Idee hat -und diese kann auch sehr spontan entstehen – ruft er „ich koch was“ und dann „wer wills essen?“ und wenn genug „oh, ich ich“ rufen, wird’s die Session geben. Und ob es eine Frontal-Talk-Session, eine Diskussionsrunde, eine Wer-Weiß-Was-Runde ist – alles offen.

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Das Prinzip der Augenhöhe

Und was dazu kommt: es gibt keinen Superkoch und die Auslöffler. Alle sind irgendwie gleich. Eine Augenhöhe. Man spricht ja nur vorne, weil man vorher einer von allen war und die gesagt haben, dass sie was von einem hören wollen. Da ist nix mit ich-bin-Supermann und ihr die Schäfchen mit den Ohren dran, den Händen zum applaudieren und dem Portemannaie für die hohen Ticketpreise, um die Sponsoren auch ausreichend zu pampern.

Der Gewinn

Barcamps sind erstaunlich günstig. Überwiegend organisiert von Leuten, die nix daran verdienen. Und wenn es Sponsoren gibt, so sind die Summen, die eingebracht werden, überschaubar – und der Gewinn, so finde ich – erstaunlich hoch. Denn nichts assoziiert positiver, als nette Menschen auf Barcamps. Die Organisatoren gewinnen hier kein Geld, sondern Freude am Tun, Barcamps organisieren macht irgendwie glücklich.

Was mich immer wieder umhaut ist die unglaubliche Qualität der Sessions, die es dann zu hören gibt.

Ich picke mir hier das eCommerceCamp in Jena raus, da ich grade da war und immer noch erfreut darüber bin, welche Anregungen ich da mitgenommen habe.

Was toll an so einem Barcamp ist:

die Stadt
In diesem Fall Jena, die mich immer wieder überrascht mit ihren Höhenunterschieden. Ich mag es sehr, von einer Stadt überrascht zu werden, in die ich vielleicht ohne Barcamp nicht gefahren wäre. Außerdem ist der Prasselkuchen in dieser einen Bäckerei in der Nähe von diesem Goetheding super lecker.

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Potential
Es gibt so unglaublich viel Wissen, das in manchen Köpfen haust und das dort auch bleiben würde, wenn man es in gezwungener Athmosphäre loswerden müsste. Hier darf, wer vielleicht noch nicht weiß, dass er kann. Hier darf man auch nicht so gut sein. Aber in jedem Fall darf man mal schauen, was passiert. Und das macht so unglaublich viel möglich – Potential ist so ein Business-Begriff, den will ich hier fast nicht verwenden. Aber ich meine hier wirklich nicht „Potential nutzen“ oder „ausnutzen“, sondern „freilassen“.

Unmutige zu Mutigen machen
Ich war eine davon. Meine erste Session überhaupt vor lauter Fremden war auf einem Barcamp. Aber da man ja nix dafür kriegt und alle einen ja selbst gewählt haben, kann man ja später auch „selbst Schuld“ sagen, wenn jemand meckert. Was aber eh nie jemand tut. Wohlwollen ist hier eine großes warmes Gefühl, das allgegenwärtig ist. Auch die schlechteren Redner kriegen Schulterklopfen und Dankeschön – denn sie haben sich ja getraut, was viel ist und sie haben was vermitteln wollen, was noch mehr ist.

Themen hören, die vielleicht unerhört sind
Auf diesen Camps melden sich Leute zu Wort, die nicht nur Wissen loswerden wollen, sondern auch ihre eigene Meinung. Der Anspruch ist dabei nicht: ich erzähl Euch was, Ihr Unwssenden Hascherl, sondern eher, die große Frage, was denn die anderen so denken? Ganz groß mit einer Meinung, die Gedankenblubberblasen freisetzt war Luigi auf dem diesjährigen Jena-Camp. Die Frage nach dem Sinn und Unsinn und dem Fortschreiten der KI und dem Terminator. Oder so ähnlich. Denn sie wissen nicht, was sie sammeln lassen. Wir, die Datenträger.

Über den Tellerrand blicken
Das mache ich tatsächlich viel auf Barcamps. Ich gehe in Sessions, die von was handeln, was ich nicht kenne. Das ist wie an einem Buffett stehen und Häppchen auf Teller sammeln, die man noch nie probiert hat. Und so hörte ich mir was über „Docker ohne Ahnung von Docker“ an – und hatte danach tatsächlich eine Vorstellung von Docker. Oder die Session über „Data Driven Marketing“. Nie gehört. Was das? Was richtig tolles! Mit ganz wenig Mitteln kann man rausfinden, wie gut oder schwachsinnig eine Idee ist. Fand ich unglaublich inspirierend und das werde ich ausprobieren. Fabian und Thomas sind eh inspirierend, diesmal ging es darum, wie man einen Relaunch vielleicht auch mal ohne monatelange Verzögerung und Frusttrationssteigerung hinbekommt.

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Mund aufmachen und mitreden
Das ist was, das man immer einplanen muss. Meine Redezeit plane ich gerne für 30 Minuten ein, wenn eine Session 45 dauert, da es immer Fragen, Einwände, Diskussionspunkte gibt. Oder im besten Fall gibt es die, sogar viele davon. Ich liebe es sehr, auf Barcamps Sessions zu halten, weil man danach auch mit sehr vielen Leuten ins Gespräch kommt. Dieses Jahr habe ich meinen „Kommunikation weiblich? Männlich?“ Vortrag gehalten und mag an diesem ganz besonders, dass jeder ein Experte seiner eigenen Sprache ist – und mitreden kann.

Also liebe Köche und Köchinnen da darußen: besucht Barcamps! Kocht mit! Seid die Suppe! Das Gewürz! Der Esser und der Koch! Schaut über denn Tellerrand!

Die nächste Möglichkeit ist die Magento Unconference in Köln im Herbst – der Blog war aber nicht dafür da, um bei dieser Ankündigung zu landen, aber es bot sich jetzt doch sehr an…. Daher nenn ich jetzt noch zwei Termine – und hoffe auf Inspiration, Potential, Unerhörtes und Tellerränder mit offnen Mündern.

Next MageUC will take place in Cologne, Germany in 2018. October 27th – 28th. Infos und Anmeldung: https://www.mageunconference.org/

Web Engineering Unconference Europe on Majorca, 14. – 16.09.2018, Infos und Anmeldung: https://weuceu.org/

 

 

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Magento Stammtisch KölnDer nächste Kölner Magento Stammtisch findet statt am 12. Juli 2018. (Xing Event) Wer Interesse hat, kann sich in die Stammtisch-Gruppe auf Xing eintragen, ich sende eine Rund-E-Mail mit Details kurz vor dem Event!

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